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Der Weg der Anakonda: Wenn Bauten tanzen lernen Der Weg der Anakonda: Wenn Bauten tanzen lernen
by Leila Dregger
2008-07-13 07:46:30
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Der Designer Martin Pietsch verbindet Musik und Baukunst – in diesem Jahr auch beim Boom-Festival in Portugal

Boom erhält eine neue Verpackung. Das unabhängige Kultur- und Kunst-Festival Boom wird vom 11.-18. August wie alle zwei Jahre wieder viele tausend Menschen nach Idanha-a-Nova in Portugal locken. „Spur der Anakonda", „Schwingender Teller" oder „Quo Vadis" nennen sich die schwebenden und schwingenden Entwürfe von Martin Pietsch, der eine Gesamtkomposition mit einer 1,5 km langen Uferpromenade, einem Hafen für die Fähre, einer Esplanade und einem Veranstaltungszelt für den Liminalbereich gestaltete. 




Von kurzer Dauer, zweckgerichtet, kostengünstig und materialsparend – die Anforderungen an Event-Architektur sind nicht gerade das, was ein Architektenherz höher schlägen lässt. Für Martin Pietsch ist das anders. Der aus Berlin stammende und jetzt im Friedensforschungszentrum Tamera in Portugal lebende und schaffende, 62jährige Designer und Baumeister entwarf einen Parcours aus Farbe, Form und Rhythmus, eine Membran-Architektur in Leichtbauweise am Ufer des Barragem de Idanha.



Frühling 2008: Noch steht die Fläche, auf der in einigen Monaten Zehntausende von Menschen tanzen, studieren und feiern werden, größtenteils unter Wasser. Der Winterregen hat den Stausee gefüllt, und erst durch die Frühjahrsbewässerung der umliegenden Landwirtschaft wird die Festivalfläche soweit abtrocknen, dass sie bebaut werden kann.

Das Material dafür liegt bereits im Lager: Eukalyptusstangen, Stahl- und Kunststoffseil, Lycra, ein hochelastisches Kunststoffmaterial – und Fischernetze. Mit ihnen werden Pietsch und ein Team von Aufbaukräften dafür sorgen, dass die Uferzone des Barragem de Idanha in wenigen Monaten in eine Zauberwelt verwandelt sein wird.



Vom Eingang des Festivalgeländes bis zum Eventbereich sind es 1 Kilometer. Eine Fähre wird einen Teil der Besucher übersetzen, aber den erwarteten Strom von 25.000 Menschen kann sie nicht aufnehmen. Es ist ein Fußweg notwendig, der ebenso attraktiv ist wie die Fähre. Dass er im Schatten liegt, is bei der portugiesischen Hitze eine absolute Notwendigkeit – dasselbe gilt für die Ess- und Studienplätze und für die ca. 500 Meter lange Ruhezone. Die Gestaltung dieser Bereiche war der Auftrag an Martin Pietsch. Um sie miteinander zu verbinden, suchte er nicht nur künstlerische Gestaltungsideen für jedes einzelne der Projekte, sondern eine sie vernetzende Grundidee - eine Legende. Diese Legende ist die Spur der Anakonda.



Pietsch: „Ein Weg zu einem Festival, das sich besonders mit Zukunftswissen beschäftigt, darf nicht nur eine Strecke sein, die man schnell hinter sich gebracht haben will. Es muss sinnlich und geistig inspirierender Weg sein, der die Menschen in einen Tanz verführt."

Wie ein Komponist eine Sinfonie, so schuf Pietsch eine optische Partitur aus Rhythmus, Melodie und Text. Jeder Abschnitt des Weges ist ein Teil einer architektonischen Musikkomposition.

Musik, namentlich der Tanz, war für Pietsch schon immer eine starke Inspirationsquelle.
„Mein Ausgangspunkt für die Formbildung ist meistens mein Körpergefühl", erklärt er. „Ich fühle die Form viel mehr, als dass ich sie berechne – und dabei hat mir immer der innere Tanz der Seele und äußere Tanz des Körpers geholfen. So wie ein Tanz Melodie und Rhythmus in eine vielgestaltige Bewegung umsetzt, so suche ich nach architektonischen Formen, die die Natur und die Menschen zu einem gemeinsamen Tanz verführt und vereint."


Mit Hilfe der Pläne, die Martin Pietsch in seinem Atelier in Tamera zeigt, und mit Hilfe der Fantasie können wir bereits einen Blick auf den Sommer werfen:

Schwingend bahnt sich „The trail of the Anaconda" ihren Weg durch das Festivalgelände – mal am Wasser, mal über Wiesen und manchmal sogar durch das Wasser hindurch. Jeder Takt der Bau-"Partitur" hat seine regenbogenfarbenen Merkmale und seine speziellen geistigen Themen, so dass der Wanderer „tanzt" - im Wechsel zwischen Harmonie und Spannung.



Und dann – mitten im Weg – das Chaos. Jäh ragen die Eukalyptusstangen, die bis jetzt fest und treu die Konstruktion trugen, in viele Richtungen, sie werden zum Mikadospiel, zum wilden Tensegrity-Tanz. „Du musst noch Chaos in dir tragen, um einen tanzenden Stern zu gebären." Dieser Satz von Nietzsche ist in Form von Textbausteinen in die Symbole des Weges eingesetzt.

Der Essbereich wird „Schwingender Teller" heißen – eine Konstruktion, die manchen an Essstäbchen und -schale erinnern wird.

In den letzten zehn Jahren war Martin Pietsch vor allem für das Friedensforschungszentrum Tamera tätig, konzipierte Dachkonstruktionen und feste Häuser und Ateliers im Sinne einer Mehrzonen-Architektur. Er fügte zu Lehmbau- und Holzständergebäuden jenes Wissen über harmonikale Gesetze hinzu, die eine Form hervorbringen, die auch dem inneren Ästhetik-Empfinden entspricht. So werden selbst einfache Zweckbauten in fast sakral anmutende Formen verwandelt, in denen sich Leib und Seele wohlfühlen. Alle seine Gestaltungen sind herausragend in ihrer Schönheit und Funktionalität gleichermaßen. Oft ist es gerade die Schlichtheit in Material und Bauweise, die das Auge des Betrachters einfängt.

Als ehemaliger Messebau-Designer gestaltete Martin Pietsch fast drei Jahrzehnte lang Membranarchitektur und organische Bauten für Gemeinschaften und Zukunftsprojekte.

„Vorher waren meine Entwürfe, die ich für meine Auftraggeber aus der Industrie entwickelt habe, in allen Kontinenten verwirklicht worden. Mir wurde bei dieser Arbeit bewusst, wie sehr das Leben der industrialisierten Welt die Erde zerstört und letztlich auch mich selbst. Ich musste aus meiner Karriere aussteigen und lebe und arbeite seitdem ausschließlich in Projekten, die der Erde dienen. Das Boom hat diesen Aspekt verwirklicht."

   
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Comments(1)
Get it off your chest
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Emanuel Paparella2008-07-13 09:15:20
Wenn das Errichten und die Anacondas erlernen können, dann zu tanzen, gibt es keine Begrenzung zur menschlichen Fantasie und zur Kreativität. Die einzige Begrenzung ist das rationalistische, das denkt, dass Logik das einzige Maß des Grundes ist. Schließlich sogar müssen Schachspieler eine mittelalterliche Welt sich vorstellen, wenn sie Schach spielen.


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